SPOT | 17 / 2013

Digital Grotesque

Der Raum aus dem 3D-Drucker

Wenn im Zusammenhang mit Architektur von „Drucken“ die Rede ist, denkt man zunächst fast zwangsläufig an Pläne. Das wird sich ändern. Die rasante Entwicklung sogenannter 3D-Druckverfahren erweist sich schon jetzt als die nächste große Technikrevolution – und macht selbstverständlich auch vor der Architektur nicht halt. Die Architekten Benjamin Dillenburger und Michael Hansmeyer von der ETH Zürich präsentierten im Spätsommer 2013 ihr Projekt „Digital Grotesque“. Der erste komplett gedruckte Raum aus künstlichem Sandstein fasziniert durch seine futuristisch-barocke Anmutung, seine irrwitzige Komplexität und Detailvielfalt. Die Architekten über das Projekt: „Die Architekturteilchen einer digitalen Tektonik sind mikroskopisch: Algorithmen artikulieren Millionen von Flächen zu Formen, Drucker binden Millionen von Sandkörnern zu Stein. In dem Projekt „Digital Grotesque“ untersuchen wir die Fülle an neuen Möglichkeiten digitalen Entwerfens mit einem reduzierten minimalistischen Ansatz, der trotzdem die Grenzen des Rationalen überschreitet.“ Die Formsprache basiert nach Angaben der Architekten auf einem Differenzierungsalgorithmus, der durch den natürlichen Prozess der Zellteilung inspiriert wurde. Durch ihn wird die einfache kubische Ausgangsgeometrie iterativ unterteilt und transformiert. Trotz der im Prinzip sehr einfachen Regeln entsteht so eine äußerst komplexe Formenwelt zwischen Ornament und Struktur, Ordnung und Chaos, Vertrautheit und Fremdartigkeit.

http://www.digital-grotesque.com