FOKUS | 16 / 2013

The Greenest City on Earth

Nachhaltigkeit in Singapur

FOKUS | 16 / 2013

The Greenest City on Earth

Nachhaltigkeit in Singapur

Foto: Frank Breidert

Während in anderen Metropolen der Welt das wirtschaftliche und demografische Wachstum meist auf Kosten der Natur ging, wurde Singapur bereits bei der Staatsgründung 1965 als „Stadt im Garten“ konzipiert.

Über fünf Millionen Menschen drängen sich in diesem Insel-Stadt-Staat an der Südspitze von Malaysia– auf einer Fläche, die nicht einmal so groß ist wie Hamburg. In rund 40 Jahren hat sich Singapur als einer der Tigerstaaten vom Entwicklungsland zu einem der führenden Handels- und Finanzplätze der Welt gemausert und steht heute in direkter Konkurrenz mit Hongkong. Und obwohl die Bevölkerungszahl sich seit Mitte der 80er Jahre um rund 50 Prozent erhöht hat, ist auch die Grünfläche in der Stadt um 70 Prozent gewachsen. Während in anderen Metropolen der Welt das wirtschaftliche und demografische Wachstum meist auf Kosten der Natur ging, wurde Singapur bereits bei der Staatsgründung 1965 als „Stadt im Garten“konzipiert.

Schon auf dem Weg vom Flughafen ins Stadtzentrum fällt sofort ins Auge, dass hier einiges anders ist, als in anderen Mega-Städten. Die allgegenwärtigen Grünanlagen sind gepflegt wie schwäbische Vorgärten, die Rasenflächen mit britischer Präzision getrimmt. Müll oder Spuren von Vandalismus sucht man vergeblich – die Sauberkeit und die Ordnung in den Straßen sind nach längerem Betrachten beinahe verstörend. Aufrecht erhalten werden diese durch eine kleine Heerschar Gärtner und Reinigungskräfte, vor allem aber durch drakonische Strafen. Essen, Trinken und Rauchen an nicht dafür ausgewiesenen Orten kann beispielsweise mit bis zu 5.000 Singapur-Dollar (über 3.000 Euro) geahndet werden. Graffitis sogar mit Stockhieben.

Die Architektur ist teilweise von den Traditionen der verschiedenen Ethnien und religösen Gruppen geprägt, die in Singapur seit jeher koexistieren . Buddhistische Tempel, islamische Moscheen und christliche Kirchen stehen manchmal in unmittelbarer Nachbarschaft. Auch die Architektur der britischen Kolonialzeit zieht sich durch das Stadtbild. Wie das berühmte und luxuriöse Raffles Hotel, in dessen Bar der Singapur Sling erfunden wurde. Tendenziell ist alles Historisch-Authentische in Singapur seit der Staatsgründung jedoch im Verschwinden begriffen und wird entweder in Disney-Manier nachgebaut oder weicht einem internationalisierten, modernen Baustil. Im Stadtzentrum sind die spektakulären Hochhäuser und Großbauten internationaler Unternehmen und Hotelketten vorherrschend. Das aus Casino und Hotel bestehende Resort Marina Bay Sands soll insgesamt rund acht Milliarden Singapur-Dollar (knapp fünf Milliarden Euro) gekostet haben und gilt damit als teuerste Anlage ihrer Art weltweit.

Dem Anspruch, die grünste Metropole der Welt zu werden, kommt Singapur heute in zweifacher Weise nach. Zum einen durch umfassende Begrünung, den Erhalt von Reservaten und der Schaffung atemberaubender Parkanlagen, zum anderen durch eine konsequente Hinwendung zum nachhaltigen Bauen. Nach den Plänen der staatlichen Baubehörde sollen bis 2030 mindestens 80 Prozent der Gebäude als Energieund Ressourcen schonend zertifiziert sein. 2005 erfolgte die Einführung eines eigenen Zertifizierungssystems für Nachhaltigkeit, das Green Mark Rating, das die spezifischen Anforderungen Singapurs wie beispielsweise das tropische Klima besser berücksichtigt als die bestehenden internationalen Zertifizierungen. 2006 folgte der Green Building Masterplan, nach dem alle Neubauten und Nachrüstungen mindestens ein Green-Mark-Zertifikat erreichen müssen. Die Gesetzgebung hat 2008 festgelegt, dass in Singapur grundsätzlich alle Gebäude mit einer Fläche von mehr als 2.000 Quadratmetern die Mindestanforderungen des Green Mark Ratings ab diesem Zeitpunkt erfüllen müssen.

Auch NGOs wie das Singapur Green Buidling Council treiben die Entwicklung als Partner und Berater der Bauindustrie und durch umfassende Bildungsangebote voran. Nicht zuletzt wird der Erfolg der grünen Revolution in Singapur jedoch von Architekten und Designern gewährleistet, die sich dem Thema Nachhaltigkeit verschreiben und den Bauherren zukunftsfähige Lösungen anbieten. Kurze Interviews mit Lee Chuan Seng, dem Past Intermediate President des SGCB sowie mit Kambil Jidesh Padmanabhan, Sustainability Designer bei Ong&Ong sehen Sie in folgendem Dokumentationsfilm.