PEOPLE & PERSPECTIVES | 17 / 2013

werk5 – Modellbau in Berlin

Die ersten Baumeister der Architekten

PEOPLE & PERSPECTIVES | 17 / 2013

werk5 – Modellbau in Berlin

Die ersten Baumeister der Architekten

Foto: werk5

Man sollte meinen, in Zeiten von 3D-Renderings sei die Präsentation von Architekturmodellen überüssig. Aber gute Architektur braucht Modelle. Die Modellbauer bei werk5 wissen um die bestechenden Qualitäten von Modellen. Allein für 250 preisgekrönte Entwürfe haben die Arbeiten des Berliner Unternehmens Modell gestanden.

Auf den ersten Blick glaubt man, in einem typischen Architekturbüro gelandet zu sein. Vielleicht hat es da-mit zu tun, dass sich die Wirkungsstätte von werk5 im Deutschen Architektur Zentrum befindet, einem frü-hen Industriebau direkt an der Spree. An einer langen Tischflucht sitzen Mitarbeiter vor schwarzen Bildschirmen und entwerfen Bauteile in 3D-Animation. Im Besprechungsraum, der so genannten „Musterstube“, stehen große und kleine Architekturmodelle oder Fas-sadeausschnitte in unterschiedlichen Materialien. So kennt man es auch aus Architektenbüros. Doch ein flüchtiger Blick hinter die hohen Glasscheiben und ein hintergründiges Maschinengeräusch lassen keinen Zweifel aufkommen: hier wird nicht nur entworfen und geplant, hier wird gebaut und produziert. Zwar keine ganzen häuser, aber Modelle – eben häuser und Stadtansichten in Miniaturformat.

Sobald sich die Tür hinter der Büro- und Entwurfsab-teilung schließt, wird es laut und staubig. In dem großen Maschinenraum arbeiten wie in der „Geister-halle“ bei VW computergesteuerte 3D-Plotter und große CNC-Fräsen vor sich hin. Aus hölzern, weiß lackiertem Kunststoff oder Corian fräsen sie mit ohren-betäubendem Lärm bizarre Formen heraus. Dass es die vielen Einzelteile sind, die sich am Ende zu einem Architekturmodell zusammensetzen, wird klar, so-bald man die Montagehalle betritt. Wie bei den winzigen Fallerhäuschen werden hier ganze Bausätze für das jeweilige Modell zusammengesetzt – eine Arbeit, die an kleinteiliges Puzzeln erinnert.

Mit digitalem Design zum konkreten Modell

„Genau das hat uns am modernen Modellbau gereizt“, erzählt Hauke Helmer, einer der beiden Gründer von werk5. „Wir planen und entwerfen durch digitales Design, steuern einen Laser an und produzieren Modelle von Häusern oder Städten, ohne dafür Bauarbeiter beschäftigen zu müssen.“ Als gelernter Tischler kennt er aber noch die Zeiten, als Modelle zu bauen ein richtiges Handwerk war. Die nostalgisch anmutende Hobelbank in der Montagehalle erinnert noch an die Anfänge vor 18 Jahren. Dennoch zählen die werk5-Gründer zu der Generation, die als erste die neuen Möglichkeiten der CAD-Technik einsetzte und nutzte. Für die digitale Visualisierung von Architektur, dem Rendering, das schon bald State of the Art in der Architekturpräsentation wurde, konnten sie sich jedoch nicht erwärmen. Als studierte Architekten wollen sie durchaus etwas Konkretes in die Welt setzen –keine Häuser, aber Modelle.

Der Erfolg kam schnell, noch in der Studienzeit. Mit dem Siegerentwurf für den Berliner Schlosswettbewerb vor 20 Jahren. „Das Modell aus massivem Holz war damals ein echter Hingucker“, sagt Gunnar Bloss, Prokurist bei werk5. „Die meisten hatten die typischen weißen Massenmodelle. Unseres war neuartig und raffiniert.“ Von da an ging es stetig aufwärts mit dem Modellbauunternehmen in Berlin. Heute baut werk5 für alle namhaften Architekten weltweit, aber auch für Investoren und Projektentwickler in Deutschland und Asien. Bei großen öffentlichen Bauprojekten wie den Umbau der Deutschen Staatsoper ist der Modellbaubetrieb in Berlin Mitte ebenfalls gefragt: Denkmalschützer, Senatsbaudirektorin, Architekten, Ingenieure – allesamt Profis – brauchten das Modell, um abschließende Entscheidungen zu treffen. Dafür steckten sie bei einem gemeinsamen Termin die Köpfe in das Opern-Modell, um Positionierungen von Säulen und Rängen genau zu prüfen. Modellbauer, so Helmer, seien die ersten Baumeister der Architekten. Was am Modell gelingt, gelingt auch am fertigen Haus und umgekehrt: Was am Modell missglückt, wird auch am späteren Gebäude missglücken. „Deshalb“, ergänzt Bloss abschließend, „braucht gute Architektur Modelle. Ohne ein anschauliches Architekturmodell gibt es keinen Bauauftrag und erst recht keinen Wettbewerbspreis.“

Ein Interview mit Hauke Helmer und Gunnar Bloss finden Sie hier.

Cornelie Kister